Erste elektrische Beleuchtung

Von Gas- und Öllampen zur elektrischen Beleuchtung

Die generelle Einführung der elektrischen Beleuchtung begann im Bereich der Hofburg schon 1952, über die folgende Zeit wurde schrittweise umgestellt.

In den Jahren 1933-1934 wurde das äussere Burgtor zu Ehren der Gefallenen des Ersten Weltkrieges zu einem Heldendenkmal ausgestattet. In diese Zeit dürfte auch die Neuaufstellung von Kugelleuchten in dessen unmittelbarer Nähe fallen (Abb. 34). Die analoge Beleuchtungsumrüstung im Inneren Burghof und im Vorfeld des Burgtheaters ist vermutlich gleichzeitig vorgenommen worden.


Abb34:

 

Definitive elektrische Beleuchtung

Der Abschied vom Gaslicht und die generelle Einführung der elektrischen Beleuchtung begann im Bereich der Hofburg schon 1952 und man stellte zunächst Überlegungen an, die alten Laternen in teilweise veränderter Form für den elektrischen Betrieb zu adaptieren. So wurden vor dem Leopoldinischen Trakt der Hofburg und auf der Albertinarampe probeweise zwei kleine englische Kandelaber auf (Kunst)steinpostamente gestellt und mit grossen kommunalen Laternen versehen. Offenbar gefiel diese Idee zu wenig, zumal der Kandelaberfuss, der normalerweise unter dem Strassenniveau liegt, nun plötzlich sichtbar geworden war (Abb. 35).


Abb35: Photo Kupf

Das Projekt wurde auf der Albertinarampe weiterverfolgt, hinsichtlich des Heldenplatzes aber verworfen. Schliesslich einigte man sich auf neue, zeitgemäße Laternen in zwei Grössen (Abb. 36), die man auf Initiative der Burghauptmannschaft nach Architektenentwurf anfertigen sowie aufstellen liess. Eine andere, etwas kleinere Type wurde für den Volksgarten angeschafft (Abb. 37) und auf neuen Standorten montiert.

 Abb36, 37 und 38: Photos Hufnagel

 

Die Aufstellung der gegenwärtigen Beleuchtungskörper im Burggarten und auf den Rampen der Neuen Hofburg geschah in den frühen Sechziger-Jahren (Abb. 38).

Alle im Hofburgbereich vorhandenen Leuchten wurden bis zu ihrer Bestückung mit Mischlichtlampen Anfang der Achtziger-Jahre mit Glühlampen betrieben. Ihre Umrüstung auf Betrieb mit Kompaktleuchtstofflampen erfolgte Ende 1987.

Basierend auf der hier im Wesentlichen wiedergegebenen Studie wurde den Mitarbeitern der für die Beleuchtungserneuerung zuständigen Abteilungen der Gemeinde, der Burghauptmannschaft und des Bundesdenkmalamtes die folgende Zusammenfassung und Empfehlung als Entscheidungshilfe angeboten.

Zusammenfassung und Empfehlung

Das in diesem Kapitel beschriebene Territorium (der Burggarten ab 1918) war immer mit Laternen auf Kandelabern ausgestattet. Als Lichtquellen dienten zunächst Öl- und Gasflammen, später Glühbirnen und Entladungslampen und zuletzt Sparlampen.

 

Innerhalb eines Zeitraumes von etwa 170 Jahren waren die jeweiligen Beleuchtungsarten sowie Kandelaber und Laternen verschieden lang in Verwendung:

Öllampen: ca.1820-1847 (27 Jahre)

Gasflammen: 1847-1945, 1947-1952 (103 Jahre)

 

Englische Gasgesellschaft:

Englische Kandelaber und Laternen: 1847-1904 (57 Jahre)

Englische Kandelaber: 1847-1952 (105 Jahre)

Kommunale Gasbeleuchtung:

Englische Kandelaber / kommunale Laternen: 1904-1945, 1947-1952? (46 Jahre)


Kommunale Kandelaber und Laternen ca.1910-1945? (35 Jahre)

Kommunale Kandelaber / Starklichtlaternen ca.1939-1945, 1947-1952 (12 Jahre)

Elektrische Lichtquellen seit 1952 

Trotz relativ geringen Alters befindet sich die derzeit (1988) bestehende Beleuchtungsanlage auf dem Heldenplatz und im Volksgarten in einem schlechten Erhaltungszustand, so dass eine vollständige Erneuerung allein aus technischen Gründen zu empfehlen wäre.

Die Leuchten aus den Fünfziger-Jahren, die abgesehen von mangelnder gestalterischer Qualität heute auch altmodisch wirken und nicht zu ihrer Umgebung passen, sollten durch neue Beleuchtungskörper ersetzt werden.

Da hohe Standleuchten auf dem Heldenplatz nie aufgestellt wurden - ein Projekt das hier Bogenlampenmaste vorsah, kam nie zur Ausführung kommen wohl wieder nur Beleuchtungskörper in Laternenforrn in Frage, wobei eine Kopie nach einem historischen Vorbild dem Ambiente am ehesten gerecht würde.

Von den verschiedenen Laternentypen standen die englischen in Originalausführung am längsten, nämlich 57 Jahre, im Volksgarten und auf dem Heldenplatz. Etliche Kandelaber bestanden noch weiter, nämlich über 100 Jahre zum Teil auf ihren Erstaufstellungsorten.

Diese Tatsache kann bei der Diskussion um den künftigen Laternentyp nicht unberücksichtigt bleiben. Praktische Überlegungen sprechen vielleicht für ein jüngeres Erzeugnis (Kommunale Kandelaber in Originalausführung oder in der Version für Starklicht Abb. 29, 31) wobei bei den beiden letztgenannten etwaige Vorschaltgeräte leicht unter dem Dach untergebracht werden können.

Wenn jedoch stilkritische Gründe für die Rekonstruktion originaler und gegen den Nachbau später veränderter Typen sprechen, bleiben nur zwei Möglichkeiten offen: Die Rekonstruktion entweder der englischen oder der kommunalen Laterne in möglichst ursprünglicher Form, wobei dieser Forderung im Hinblick auf die Ausstattung mit elektrischen Lichtquellen gewisse Grenzen gesetzt sind. Von beiden gibt es Vorbilder sowohl für eine normale als auch für eine kleine Ausführung.

Aus Gründen der langen Tradition sollte allerdings der englischen Laterne der Vorzug gegeben werden, deren Herstellung vermutlich auch billiger käme, als die der kommunalen Type.

Zu beachten wäre die Freihaltung des verglasten Laternenbodens von störenden Einbauten wie Kontaktbüchsen und allzu grossen Vorschaltgeräten durch die Wahl geeigneter Lampen.

Durchführung 

Volksgarten

Wie schon eingangs erwähnt, fand die vorliegende Empfehlung in ihren wesentlichen Punkten Berücksichtigung, als im April 1989 die ersten Gespräche über die Erstellung von Detailprojekten stattfanden.

Zunächst ging es um die künftigen Standorte, die nach einem Plan der Burghauptmannschaft und aufgrund von Wünschen der MA 33 anlässlich einer Begehung im August 1989 für das große Parterre definitiv festgelegt wurden. Prinzipiell einigte man sich auch über die Plazierung der übrigen Lichtpunkte, wobei historische Standorte eher keine Berücksichtigung fanden.1
Mit Rücksicht auf die Parkbesucher entschloss man sich, mit den notwendigen Grabungs- und Kabelverlegungsarbeiten sowie mit dem Versetzen der Betonfundamente für die künftigen Kandelaber nicht vor Ende September zu beginnen.
Gleichzeitig begannen die Vorbereitungen für die Beschaffung der notwendigen 60 Lichtständer. Da keine Originale für eine Neuverwendung zur Verfügung standen, wurde auf Empfehlung der MA 33 für den Volksgarten wegen besserer Lichtverteilung eine früher nicht übliche Kandelaberhöhe von 2,70 m zwischen der historischen kleinen (2,20 m) und großen Standardvariante (3,30 m) empfohlen.2

Zur Durchführung der notwendigen Ausschreibung wurden bei der MA 19 Detailpläne bestellt, die Ende Mai zur Verfügung standen. Die Vergabe der notwendigen Arbeiten für den Volksgarten erfolgte ausschliesslich an Wiener Firmen. Für die aus sechs Teilen bestehenden Eisenkandelaber mussten neue Gussmodelle mit integrierten Kabelanschlusstürchen angefertigt werden. Die leichte Erreichbarkeit der Firma am Wiener Stadtrand ermöglichte eine laufende Qualitätskontrolle während der einzelnen Arbeitsschritte durch die Auftraggeber.

Mitte November 1989 wurden die Kandelaber für den ersten Bauabschnitt (grosses Gartenparterre) geliefert und aufgestellt sowie provisorisch mit sog. Altstadtlaternenköpfen bestückt, da die definitiven noch nicht zur Verfügung standen. Als Leuchtmittel dienten bereits die künftig vorgesehenen Kompaktleuchtstofflampen, die gegenüber dem schwachen Licht der noch einige Monate daneben bestehenden Vorgängerlaternen eine deutliche Verbesserung darstellten.

Zum Schutz der Kandelaber wurde nach den üblichen Antikorrosionsanstrichen einstweilen der für ähnliche Zwecke übliche mittelgraue Aussenlack gewählt. Eine Farbuntersuchung an historischen Kandelabern als Entscheidungshilfe für eine definitive Farbgebung ist zwar erwogen, aber noch nicht durchgeführt worden. Aufgrund von Laternendarstellungen auf alten farbigen Veduten steht zumindest fest, dass die englische Gasgesellschaft überdurchschnittlich oft grüne Anstriche verwendet haben muss.

Rechtzeitig vor Beginn der zweiten Bauetappe, die das ganze restliche Areal des Volksgartens betraf, standen auch die vorgesehenen Laternenköpfe (Abb. 42) in dazu passender Proportion zur Verfügung.

Abb42: Neuer Laternenkopf vor der
Neuen Hofburg, stellvertretend für die etwas kleiner
ausgeführte Volksgartentype. Photo Kupf

 

Statt Weissblech (verzinntem Eisenblech), aus dem die historischen Laternen bestanden, ist wegen der voraussichtlichen Wartungsfreiheit und längeren Haltbarkeit erstmals in Wien Kupferblech für diesen Zweck verwendet worden. Der bekrönende Pinienzapfen sowie die sog. Lyra bestehend aus Bronzeguss. Für die Wahl von Kupfer oder Kupferlegierungen sprach ausserdem die Aussicht auf Patina (basisches Kupferkarbonat), welche den Laternen nach etwa 15 Jahren die allgemein geschätzte grüne Farbe verleihen wird.

Wegen der leichteren Zugänglichkeit zu den in einer runden Messingdose untergebrachten Vorschaltgeräten ist die neue Laterne nicht wie früher von der Seite sondern von oben zu öffnen. Um das Eindringen von Schmutz und Insekten zu verhindern, sind die Gehäuse völlig abgedichtet und zum Schutz gegen mechanische Beschädigungen (Vandalismus) mit schlagfesten Scheiben versehen.

Nach Abschluss der zweiten Bauetappe im Oktober 1990 stand im Volksgarten eine Beleuchtung zur Verfügung, die aufgrund ihrer qualitätsvollen Ausführung nicht nur bei den Vertretern der durchführenden Abteilungen, sondern auch in der Öffentlichkeit die gebührende Anerkennung fand.

Heldenplatz

Schon während der ersten Gespräche über die künftige Ausstattung des Volksgartens wurde auch die prinzipielle Vorgangsweise auf dein Heldenplatz erörtert. Bis zum Beginn der Bauarbeiten vergingen allerdings noch drei Jahre, da die weitere Entwicklung des Tiefgaragenprojektes noch nicht vorauszusehen war.

Schliesslich einigte man sich im Mai 1992, als Pressemeldungen zufolge der Garagenbau keine aktuelle Priorität hatte, andererseits die eingangs erwähnten Zeitschäden an der bestehenden Beleuchtungsanlage einen weiteren Aufschub der dringend notwendigen Massnahmen nicht mehr zuliessen, in jenen Bereichen zu beginnen, die vom eventuellen Baugeschehen bei der Errichtung der Tiefgarage nicht betroffen sein würden.

Anders als beim Volksgarten, wo die Plazierung der Kandelaber eher nach praktischen Gesichtspunkten erfolgte, gab es für den Heldenplatz mehrfach belegte historische Standorte, die bei einer Neuaufstellung nach Möglichkeit zu berücksichtigen waren. Massgeblich für die Wahl der restlichen Aufstellungspunkte waren die wichtigsten Symmetrieachsen, welche durch die Hofburg, das Burgtor und die Heldendenkmäler gegeben sind. Die schon 1952 vorgenommene Lichtpunktverdichtung entlang der Durchzugstrasse sollte beibehalten werden.

Wie schon früher, kam überwiegend der grosse Kandelabertyp zur Aufstellung, während der kleinere, wie er schon im Volksgarten verwendet worden war, ausschließlich für Gehwegbereiche innerhalb der Alleen vorgesehen wurde.

Um wie geplant, gegen Jahresende 1992 die erste Bauetappe beginnen zu können, wurde noch im Mai mit der Ausschreibung aller einschlägigen Arbeiten begonnen, sowie um die benötigten finanziellen Mittel beim Altstadterhaltungsfonds angesucht.

Die elektrische Ausrüstung erfolgte nach dem System, wie es sich schon beim Volksgarten bewährt hatte: 2 x 18 W Kompaktleuchtstofflampen für die kleinen Laternen, 2 x 24 W für die großen. Der Plan, zwecks besserer Ausleuchtung für den Durchfahrtsbereich Ring - Innerer Burghof 80 W Natriumhochdrucklampen zu verwenden, wurde aber wegen deren stark von der übrigen Beleuchtung abweichenden gelben Lichtfarbe wieder aufgegeben. Wie beabsichtigt, konnte man noch im Jahr 1992 in der so genannten Böhmallee entlang des Volksgartens mit den Umrüstungsarbeiten beginnen. Die vorhandene Verkabelung unter dem Gehsteig stammte aus jüngerer Zeit, sodass nur die Kandelaber (auf den selben Standorten) getauscht zu werden brauchten. Unmittelbar darauf wurde mit den Grabungsarbeiten entlang der Gehwege gegenüber begonnen. Hier und in den folgenden Bereichen musste die Stromversorgung vollkommen erneuert werden.

Das weiterhin ungeklärte Garagenprojekt verursachte neuerliche Verzögerungen, sodass erst im Frühjahr 1994 mit der zweiten Bauetappe begonnen werden konnte. Da die Grünflächenbegrenzungen auf der Seite der Neuen Hofburg nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, im Zuge einer Parkplatzsperre verändert worden waren, kam es zu einer neuerlichen Diskussion über die definitiven Laternenstandorte, die anlässlich einer Begehung am 6. Mal einvernehmlich festgelegt werden konnten.
Nach dem schrittweisen Umbau der Durchfahrtsstrasse folgte schliesslich der letzte Abschnitt um das Erzherzog- Karl-Denkmal, wo am 26. Feber 1997 mit dem Tausch der letzten Kandelaber das umfangreiche Programm abgeschlossen werden konnte.

 

1 Die historischen Laternen standen vielfach auf Gehwegen. Um diesen Bereich von (teureren) Aufgrabungen möglichst freizuhalten, entschloss man sich die neuen Standorte in Grünflächen zu wählen.

2 Eine in Anlehnung an alte Vorbilder im Fachhandel angebotene Kandelaberserie mit der gewünschten Höhe wäre zur Verfügung gestanden, konnte aber wegen mangelnder Detailtreue und Ausführungspräzision für den vorgesehenen Verwendungszweck nicht empfohlen werden.

 


 

Mit freundlicher Genehmigung von Hr. Prof. Mag. Martin Kupf
Auszug aus der Zeitschrift "Steine sprechen" der österreichischen Gesellschaft für Denkmal- und Ortsbildpflege.


Von Gas- und Öllampen zur elektrischen Beleuchtung

Die generelle Einführung der elektrischen Beleuchtung begann im Bereich der Hofburg schon 1952, über die folgende Zeit wurde schrittweise umgestellt.

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